Buchbinden

Es gibt verschiedene Arten der Buchbindung. Man kann mit Faden die Seiten zusammennähen oder man kann sie verkleben. Als ich einmal aus zahlreichen Loseblattsammlungen etwas herstellen wollte, das man in den Schrank stellen kann, habe ich nach einer Bindung gesucht, die sowohl ohne großen Aufwand praktikabel ist, als auch haltbare Resultate liefert.

Falls man schon eine Loseblattsammlung besitzt, dann hat man leider keine Möglichkeit, diese mit Faden zu binden. Dafür müssten die Seiten jeweils doppelt auf ein Blatt gedruckt werden, und das in Bündeln. Falls man den Druck noch nicht ausgeführt hat, ist es trotzdem nicht ganz leicht. Die meisten Drucker haben leider keine Einstellung für derartige Seitensortierung. Es gibt aber dieses applet, das einem dabei hilft, ein pdf umzusortieren.

Broschürendruck



Meine Wahl fiel auf die Klebebindung. Die Seiten müssen dabei nur die ganz übliche Reihenfolge haben. Es bietet sich manchmal an, statt zwei Seiten auf ein Blatt (entsprechend Vorder- und Rückseite), vier Seiten zu drucken. Statt A4-hochkant-doppelseitig werden dann jeweils zwei mal A5 nebeneinander auf einer Seite A4-quer liegen, natürlich wieder doppelseitig. Diese Einstellung gibt es bei vielen Druckern, sie heißt Broschürendruck. Die Idee ist, dass der fertig gedruckte Papierstapel anschließend in der Mitte geknickt wird und dann wie ein Buch gelesen werden kann. Zum Binden muss man den Papierstapel in der Mitte durchschneiden.

Es gibt allerdings ein Problem dabei. Papier hat eine Laufrichtung, und wenn es nass wird tritt diese durch Welligkeit zutage. Nasses Papier wellt sich quer zur Laufrichtung. Und bei einer Klebebindung wird das Papier natürlich auch etwas nass. Üblicherweise hat A4 Papier seine Laufrichtung entlang der langen Seite. Dadurch würde, wenn man nicht aufpasst, bei einem Buch, das mit Broschürendruck gedruckt ist, der Buchrücken auch wellig werden. Dann knackt das Buch beim Aufmachen oder Umblättern. Ganz schlimm ist es in meiner Erfahrung nicht, aber etwas unschön. Falls man trotzdem dem Papiersparen Priorität gibt, muss man versuchen, möglichst wenig Wasser zu verwenden und anschließend mit viel Druck zu pressen, um die Wellen rauszukriegen.

Schnitt



Ich möchte bei Blattzahlen über 5 von Papiermessern abraten. Durch die händische Bewegung des Messers werden die Seiten gegeneinander verschoben und der Schnitt wird schräg. Stattdessen wende man sich doch an einen größeren Copyshop in der Nähe, der auch Abschlussarbeiten bindet. In dem Fall besitzen sie eine elektrische Schneidemaschine. Falls man freundlich fragt, legen sie kostenfrei auch euren Buchblock unter das Messer. Falls man mit Broschürendruck gedruckt hat, sollte der Schnitt mittig sein; perfekt mittig wird man es aber nicht schaffen. Nach dem Binden sollte man den Buchblock ohnehin noch einmal beschneiden (lassen).

Kleber



Meinen Kleber kaufe ich beim Buchbinder. Dort kommt man mit einem verschraubbaren Glas und lässt sich etwas abwiegen. 300 ml reichen für mehrere Jahre, sofern man nicht jede Woche ein Buch bindet. Für Harteinbände verbraucht man deutlich mehr Kleber als für das Kleben des Buchblocks. Das wichtige beim Kleber ist, dass er nach dem Trocknen noch immer flexibel bleibt. Meiner riecht und sieht aus wie Holzleim.

Buchblock binden


Idee



Wenn man den zusammengepressten Rücken einfach so mit Kleber bestreicht, halten die Seiten nicht besonders gut. So würde man einen Abreißkalender binden. Die Idee nun ist, den Buchrücken etwas zu den Seiten zu biegen, und dann in der einen und in der anderen Lage mit Kleber zu bestreichen. Dadurch verklebt man die Seiten ein ganz kleines Stück auch zwischeneinander. Man wird das Buch aber trotzdem noch bequem aufklappen können. Diese Methode heißt auch Lumbeck-Verfahren. Aus diversen Quellen habe ich mir seinerzeit Notizen angesammelt, die ich hier zur Verfügung stelle: pdf.

Neben den eigentichen Buchseiten benötigt man noch sogenannte Vorsatzblätter. Diese sind nötig, um den Buchdeckel mit dem Buchblock zu verbinden. Dafür haben diese Blätter doppeltes Format (also A3 für ein Buch im Format A4) und werden in der Mitte geknickt von beiden Seiten an den Buchblock angefügt. Zur Not geht aber auch gleiches Format. Die Vorsatzblätter sind etwas stärker zu wählen als das Papier. Üblicherweise hat das Papier 80 g/m² und ich wähle 120 g/m² für die Vorsatzblätter.

Presse



Um den Buchblock pressen zu können, muss man sich eine Presse bauen. Dabei handelt es sich um zwei Hölzer (möglichst hart), die an den Enden durchbohrt sind und mit Schlossschrauben gegeneinander gedrückt werden können. Zwischen die Schrauben sollte natürlich der Buchrücken passen. Entsprechend bietet es sich an, eine Version für A4 und eine Version für A5 zu bauen.

Presse

Man braucht tatsächlich zwei Pressen, um sinnvoll arbeiten zu können (siehe Arbeitsablauf). Ich habe auch eine Version gebaut, bei der die Hölzer über ein Scharnier miteinander verbunden waren, was es ermöglichte, sie aufzuklappen. In der Praxis stellte sich diese Art der Presse umständlicher heraus, als zwei Klammern.

Die Presse sollte nie direkt auf dem Buchblock aufliegen, da das hinterher Spuren gibt. Entsprechend sollte man Kartonstreifen (zB Collegeblockrücken) dazwischen als Schutz einfügen.

Bei den Schlossschrauben sollte man aufpassen, dass sie zum einen so lang sind, dass auch noch das voraussichtlich dickste Buch, das man binden will, hineinpasst, zum anderen aber das Gewinde so weit unten anfängt, dass man auch dünne Bücher pressen kann.


Benötigte Materialien





Arbeitsablauf




  1. Seiten auf Vollzähligkeit prüfen.

  2. Vorsatzblätter 120 g/m² hinzufügen.

  3. Geradeklopfen funktioniert am besten mit zwei Pressen/Klammern: erste Klammer lose um den Buchblock befestigen, Buchblock darin vertikal aufrichten, so dass der zukünftige Rücken auf dem Tisch aufliegt. Dann Seiten geraderücken und die Klammer zumachen. Damit ist die erste Klammer bündig mit dem zuküntigen Rücken, aber es fehlen noch die Kartonstreifen.

  4. Zweite Klammer darüber ansetzen, und zwei Kartonstreifen hineinfügen, die etwas über den Rücken überstehen. Zweite Klammer zumachen.

  5. Erste Klammer ein Stückchen hochsetzen, damit der Rücken ca. 1 mm übersteht.

  6. Rücken anrauhen (zB mit einer Säge oder Feile). Anschließend die erste Klammer aufmachen und ganz entfernen.

  7. Gaze zuschneiden und bereitlegen, Kleber und Pinsel bereitlegen. Von einem Blatt Küchenrollenpapier (dreilagig) eine Lage abziehen und wegtun. Das zweilagige in Streifen reißen und bereitlegen.

  8. Rücken in eine Richtung umbiegen, mit Kleber beschmieren. Vorsatzblatt in halber Gazebreite anschmieren, Gaze daran andrücken.

  9. Gaze noch einmal mit Kleber durchtränken, das Klebrige mit zweilagigem Küchenrollenpapier abdecken. Das ganze Werk umdrehen.

  10. Rücken nun in die andere Richtung umbiegen und mit Kleber beschmieren. Gaze umschlagen und anziehen, dass es möglichst press auf dem Buchrücken anliegt. Danach auf das Vorsatzblatt kleben, noch einmal von außen durchtränken, zweilagiges Küchenrollenpapier darauf.

  11. Klammer auf dem Rücken anbringen und zumachen. Bei Bedarf noch etwas Kleber auf dem Rücken verteilen. Buchblock trocknen lassen.



Hier gibts es — leider ein etwas unvollständiges — Video, wie solch eine Bindung abläuft. Man sieht überdies, dass ich den Buchblock nicht in der ersten Klammer ausrichte, wie oben vorgeschlagen, sondern auf dem Tisch. Diese Variante ist etwas arbeitsaufwendiger. Man erkennt gut das Einfügen der beiden Kartonstreifen, das Anrauhen des Rückens und das Beschmieren mit Kleber: mp4

Nach dem Trocknen




  1. Alles beschneiden, insbesondere die Gaze an den Enden des Buchrückens.

  2. Seiten gerade beschneiden.

  3. Am Rücken Kapitalband anbringen.




Einbände



Taschenbuch



[folgt]

Weicheinband



BILD: Presse


  1. 2 Mal A4 250 g/m² und einen kleinen Streifen gleichen Papiers in Rückenbreite auf einen Streifen 80 g/m² (ca 70 mm × Rückenlänge) aufkleben. Dabei darauf achten, dass die A4 Blätter exakt parallel sind (Tischkante oä nutzen). Zwischen den Blättern und dem kleinen Streifen ca 1 mm Lücken lassen. Eventuell beschriften.

  2. In ca 1 cm Abstand vom Rücken die A4-Blätter längs des Rückens vorfalzen. Am Rücken selbst und an diesen 1 cm breiten Bereichen darf hinterher innen kein Kleber sein. Nur so lässt sich das Buch hinterher auch vollständig aufklappen.

  3. Erstes Vorsatzblatt mit Kleber beschmieren, dabei darauf achten, dass 1 cm Abstand zum Rücken übrigbleibt, und dass sichergestellt ist, dass in diesen Bereich auch beim Pressen kein Kleber läuft.

  4. Ersten A4-Teil des Umschlags aufkleben, das Werk umdrehen und zweiten A4 Teil auf das andere Vorsatzblatt aufkleben.

  5. Unter Verwendung von Karton pressen und trocknen lassen.



Harteinband



Dafür ist Buchbinderpappe notwendig. Diese bekommt man beim Buchbinder oder in gut sortiertem Papierwarenladen.

Über die Buchbinderpappe wird Umschlagspapier geklebt. Es ist deutlich größer, als zwei Mal das Papierformat. Hinzu kommt natürlich die Rückenbreite selbst; außerdem muss das Papier um die Pappe umgeschlagen werden. Falls das Papier A5 Format hat, kann man den Umschlag auf A3 drucken. Ansonsten ist man darauf angewiesen, dass der ortsansässige Copyshop Sonderformate hat und bedrucken kann. Das Umschlagspapier braucht nur 80 g/m² zu haben.


  1. Buchbinderkartons zuschneiden: sie sollen ca. 4-6 mm am Buchrücken zu kurz sein und überall sonst ca 1 mm über den Buchblock hinaus überstehen. Winkeligkeit des Kartons prüfen, Größe zueinander prüfen.

    BILD: so fängts an


  2. Beide Kartons auf die Rückseite des Buchumschlagpapiers legen. Der Abstand der Kartons zueinander ist dabei: Breite des Rückens + 2 × 3 mm + (4 bis 6) mm × 2.

  3. Lage der Kartons genau einmessen; Wasser, Pinsel, Kleber, Küchenrollenpapier (für das Wegwischen unnötigen Klebers) bereitlegen.

  4. Einen Karton bestreichen (nicht das Umschlagspapier) und sorgfältig aufkleben. Dabei muss man darauf achten, so wenig Wasser wie möglich zu verwenden, und schnell und sauber zu kleben. Ansonsten wellt sich das Umschlagspapier und bildet Falten, die man nicht wieder rauskriegt.

  5. Einen Streifen Papier 160 g/m² zur Verstärkung des Umschlagrückens (Rückenlänge × (Rückenbreite + 2 × ca 40 mm)) zuschneiden und mittig auf das Umschlagspapier aufkleben. An den Übergängen auf die Kartons vorher vorfalzen.

    BILD: mittelstreifen BILD: mittelstreifen


  6. Einbandrücken an den zwei Soll-Knick-Stellen, die genau die Rückenbreite Abstand zueinander haben sollen, von innen vorfalzen; dabei darauf achten, dass hinterher die Schrift mittig ist.

  7. Trocknen lassen. Die bedruckte Seite außen nicht anfassen, denn Papier weicht durch und man kann die Druckerfarbe verschmieren.

  8. Oben und unten überstehendes Umschlagspapier schräg nach innen einschneiden und auf ganzer Länge umklappen (über den Umschlagrücken hinweg). Mit Kleber bestreichen und festkleben.

    BILD: oben umgeschlagen


  9. Links und rechts Ecken wegschneiden. Der Schnitt sollte nicht direkt zur Ecke der Pappe gehen, sondern etwas weiter außen zielen. So bleibt noch etwas Papier um die Ecke der Pappe zu verstecken. Festkleben.

    BILD: einschnitt 2 BILD: außen umgeschlagen


  10. Buchblock richtig in Bezug auf den Umschlag ausrichten, die Pappe mit Kleber bestreichen und Vorsatzblätter nacheinander draufkleben. Dabei achten, dass hinterher im Umschlagsrücken gleich viel Platz auf beiden Seiten ist.

    BILD: vorsatz 1 BILD: fertig


  11. Beim Pressen auf Sauberkeit aller Unterlagen achten.





Last modified: Mon Aug 13 13:05:18 CEST 2018